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Weiterbildung vom Staat bezahlt

KOMPASS für Solo-Selbstständige: was das Programm leistet

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Selbstständiger Mann im Coworking-Space am Laptop, helles Arbeitsumfeld

KOMPASS ist das zentrale Weiterbildungsprogramm für Solo-Selbstständige in Deutschland. Es übernimmt 90 Prozent der Kurskosten bis zu einer Deckelung von 4.500 Euro pro Förderfall. Dein Eigenanteil liegt bei 10 Prozent. Zielgruppe sind Solo-Selbstständige ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das Programm läuft aktuell bis Ende 2027, hat aber zwischen März und Mai 2026 einen Aufnahmestopp.

Dieser Artikel erklärt, wer anspruchsberechtigt ist, was KOMPASS konkret leistet, wo die Grenzen liegen und warum sich die Zeit des Aufnahmestopps trotzdem nutzen lässt. Stand April 2026.

Wer KOMPASS bekommt

KOMPASS (Kompetenzförderung für Solo-Selbstständige) wendet sich an alle, die nach dem Grundsatz allein selbstständig sind. Das heißt konkret:

  • Du bist als Freiberufler beim Finanzamt geführt oder hast ein Gewerbe angemeldet.
  • Deine Tätigkeit ist hauptberuflich. Nebenerwerbliche Selbstständigkeit unter 15 Wochenstunden fällt meist raus.
  • Du hast keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ein Minijobber oder ein Auszubildender schließen dich aus.
  • Der Sitz deiner Tätigkeit liegt in Deutschland.

Die Branche spielt keine Rolle. Freiberufliche Schreiber, gewerbliche Handwerker, Agentur-Einzelunternehmer, Heilpraktiker, IT-Freelancer, Coaches, kleine Webshop-Inhaber: alle gehören zur Zielgruppe, wenn sie die formalen Kriterien erfüllen.

Was KOMPASS finanziell leistet

Die zentralen Konditionen:

PunktWert
Förderquote90 Prozent der Kurskosten
Eigenanteil10 Prozent
Maximum pro Förderfall4.500 Euro
Gesamtsumme pro Personeinmalige Förderung über Projektlaufzeit
Projektlaufzeitbis Ende 2027

Bei einem Kurs mit 5.000 Euro Gesamtkosten übernimmt KOMPASS 90 Prozent, also 4.500 Euro (gleich die Obergrenze). Dein Eigenanteil wären 500 Euro. Bei einem Kurs mit 3.000 Euro Gesamtkosten übernimmt KOMPASS 2.700 Euro, du zahlst 300 Euro.

Wichtig: die 4.500 Euro sind das Maximum, das KOMPASS insgesamt an dich auszahlt. Wer einen Kurs mit 10.000 Euro Kosten macht, bekommt weiterhin nur 4.500 Euro, der Rest (5.500 Euro) bleibt auf deiner Seite.

Welche Kurse förderfähig sind

Nicht jede Weiterbildung ist KOMPASS-tauglich. Die Anforderungen:

  • AZAV-zertifizierter Träger. Der Kursanbieter muss nach §§176 ff SGB III zugelassen sein. Nicht jeder Anbieter, der sich “Akademie” nennt, erfüllt das.
  • Berufsbezogene Weiterbildung. Der Kurs muss zu deiner selbstständigen Tätigkeit passen oder sie erweitern. Reine Hobby-Kurse fallen raus.
  • Kursdauer ausreichend. Kürzere Webinare und Ein-Tages-Workshops sind oft ausgeschlossen. Mehrwöchige Kurse, Module oder Lehrgänge sind der Standardfall.
  • Abschluss-Nachweis. Teilnahme-Zertifikat des Trägers oder vergleichbarer Nachweis.

Die Anlaufstellen prüfen die Förderfähigkeit im Vorfeld. Wer sich einen Kurs aussucht, klärt die AZAV-Zertifizierung beim Anbieter (Zertifikatsnummer nachfragen) und lässt das im Erstberatungsgespräch bestätigen.

Wie der Förderumfang zustande kommt

KOMPASS ist ein gestaffeltes System. Der Vermittler der Anlaufstelle prüft nicht nur die formalen Kriterien, sondern auch den Bedarf:

Passt die Weiterbildung zu deiner Geschäftsstrategie. Ein Coach, der KI-Tools lernt, ist plausibel. Ein Gärtner, der eine BWL-Weiterbildung macht, muss sich erklären können.

Ist die gewählte Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll. Ein 10.000-Euro-Kurs, der dir 2.000 Euro Mehrumsatz im Jahr bringt, gilt nicht als wirtschaftlich. Die Anlaufstelle denkt nicht im Detail, aber grobe Schieflagen fallen auf.

Hast du bereits KOMPASS genutzt. Das Programm ist eine einmalige Förderung über die Laufzeit. Wer vor einem Jahr schon 3.000 Euro bezogen hat, hat in der Regel keine weitere Chance, es sei denn bei Branchenwechsel.

In der Praxis sind die Bewilligungsquoten bei plausiblen Anträgen hoch. Wer die Kurswahl ordentlich begründet und einen förderfähigen Träger nennt, bekommt die Zusage meist.

Der aktuelle Aufnahmestopp

Eine wichtige aktuelle Einschränkung: zwischen März und Mai 2026 nimmt KOMPASS keine neuen Anträge an. Das ist kein Ende des Programms, sondern eine administrative Phase. Die Mittel aus dem laufenden Haushaltsplan sind gebunden, neue Zusagen gibt es erst nach Freigabe der nächsten Tranche.

Ab Juni 2026 sollen die Anlaufstellen wieder in Betrieb gehen. Das ist die aktuelle Planung, vorbehaltlich Haushaltsentscheidungen.

Wer in dieser Übergangszeit nicht warten kann, hat zwei Optionen: erstens, den Kurs privat finanzieren und bei einer späteren Weiterbildung KOMPASS nutzen. Zweitens, alternative Förderwege prüfen (Landesschecks, steuerliche Absetzung, ESF-Plus-Programme der Länder). Beide Wege sind im Artikel zu den Fördertöpfen für Selbstständige im Überblick.

Aus meiner Beratungspraxis sehe ich, dass die meisten Solo-Selbstständigen die Pause als Vorbereitungszeit nutzen: Kurs recherchieren, Angebote einholen, Erstberatung vereinbaren. Im Juni läuft der Antrag dann sofort los.

Der Ablauf Schritt für Schritt

Der Weg vom ersten Interesse bis zur Förderauszahlung lässt sich in sechs Schritte zerlegen:

1. Erstberatung vereinbaren. Eine regionale KOMPASS-Anlaufstelle findest du auf kompass.arbeitsagentur.de. Das Gespräch ist kostenfrei und unverbindlich. Es klärt deine Situation und grundsätzliche Förderfähigkeit.

2. Kurs auswählen. Du suchst dir einen AZAV-zertifizierten Träger und einen passenden Kurs aus. Die Anlaufstelle gibt dir dazu keine Empfehlung, sondern prüft deinen Vorschlag.

3. Angebot einholen. Der Kursanbieter stellt dir ein schriftliches Angebot mit Kursinhalten, Dauer, Preis, AZAV-Zertifizierungsnummer aus.

4. Antrag stellen. Gemeinsam mit der Anlaufstelle füllst du den KOMPASS-Antrag aus. Pflichtangaben: deine persönlichen Daten, Selbstständigkeits-Nachweis (Gewerbeschein oder Freiberufler-Meldung), Kursangebot, Begründung des Weiterbildungsbedarfs.

5. Bewilligung abwarten. Die Bearbeitung dauert vier bis acht Wochen. Du bekommst einen Bewilligungsbescheid mit konkreter Summe und Auflagen.

6. Kurs besuchen und abrechnen. Nach Kursende reichst du Teilnahme-Zertifikat und Rechnung ein. Die 90 Prozent werden auf dein Konto überwiesen. Je nach Anlaufstelle gibt es auch ein Vorschuss-Modell, bei dem KOMPASS direkt an den Anbieter zahlt und du nur den Eigenanteil überweist.

Was in der Praxis schiefgeht

Drei typische Fehler, die man vermeiden kann:

Erstens: Vor der Antragstellung schon den Kurs gebucht haben. KOMPASS fördert nur Kurse, die nach der Bewilligung starten. Wer vorher schon gezahlt oder begonnen hat, bekommt keine Rückerstattung.

Zweitens: Mit einem Träger arbeiten, der keine AZAV-Zertifizierung hat. Das kommt vor bei kleinen Online-Academys, bei Speaker-gebundenen Kursen, bei internationalen Anbietern. Zertifikatsnummer immer checken.

Drittens: Die Selbstständigkeit nicht klar nachweisen können. Wer sein Gewerbe erst vor wenigen Wochen angemeldet hat, hat kaum Nachweise für eine laufende Tätigkeit. Eine Umsatzsteuer-Voranmeldung oder Einnahmen-Übersicht für das laufende Jahr hilft.

Zusätzliche Unterstützung neben KOMPASS

Die 4.500 Euro decken in der Regel nicht alle Weiterbildungsbedarfe eines Selbstständigen. Viele Solo-Unternehmer kombinieren deshalb:

  • KOMPASS für den Hauptkurs
  • Steuerliche Absetzung des Eigenanteils als Betriebsausgabe (dazu im Artikel zur steuerlichen Absetzung bei Selbstständigen mehr)
  • Landesspezifische Weiterbildungsschecks für kleinere Zusatzmaßnahmen

Eine Doppelförderung für dieselbe Rechnung ist ausgeschlossen. Aber verschiedene Kurse oder Kursteile können unterschiedliche Töpfe ausschöpfen.

Was sich zu merken lohnt

KOMPASS ist aktuell das substanziellste Förderprogramm für Solo-Selbstständige. Vier Punkte zum Mitnehmen:

Die 4.500 Euro sind ein Deckel, kein Pauschalbetrag. Wer einen günstigeren Kurs macht, bekommt anteilig weniger. Wer einen teureren Kurs macht, bekommt nicht mehr als die 4.500 Euro.

Die Bewilligungszeit von vier bis acht Wochen bedeutet, dass du die Planung früh anfängst. Wer im März einen Kurs für Juli will, fängt im Februar mit der Erstberatung an.

Der Aufnahmestopp März bis Mai 2026 ist eine reale Hürde. Wer in dieser Zeit beantragen will, muss einen Plan B haben oder warten.

Die AZAV-Zertifizierung des Trägers ist das entscheidende Kriterium. Nicht jeder attraktive Kurs ist förderfähig. Die Zertifikatsnummer beim Anbieter vorher abfragen spart Ärger.

Wer strategisch plant und das Programm nutzt, kann als Solo-Selbstständiger regelmäßig Weiterbildungen machen, die sonst an den Kosten gescheitert wären. Die Kombination mit der steuerlichen Absetzung bringt den Eigenanteil auf sehr niedrige Netto-Beträge.

FAQ

Kann ich KOMPASS mehrfach nutzen?

In der laufenden Projektphase bis Ende 2027 ist KOMPASS in der Regel als einmalige Förderung angelegt. Eine zweite Förderung ist nur in Sonderfällen möglich, etwa bei einem klaren Branchenwechsel oder wenn der erste Förderbetrag deutlich unter dem Maximum lag und du plausibel eine zweite Weiterbildung begründest. Die Anlaufstelle entscheidet.

Muss ich meine Selbstständigkeit schon lange ausüben?

Eine Mindestdauer ist nicht vorgeschrieben, aber du musst nachweisen können, dass du die Tätigkeit ernsthaft betreibst. Ein Monat alte Gewerbeanmeldung ohne Umsätze oder Rechnungen wirkt meist nicht plausibel. Je länger du selbstständig bist und je klarer Einkünfte vorliegen, desto einfacher der Antrag.

Kann ich KOMPASS auch bei Nebenerwerb nutzen?

Die Förderung ist für hauptberufliche Solo-Selbstständige gedacht. Nebenberufliche Selbstständigkeit (unter 15 Stunden pro Woche) ist in der Regel nicht förderfähig, auch wenn manche Anlaufstellen flexibel entscheiden. Wer in dieser Grauzone ist, klärt das im Erstberatungsgespräch.

Was, wenn ich während des Kurses in Insolvenz gehe oder meine Selbstständigkeit beende?

In der Regel wird die Förderung dann nicht zurückgefordert, wenn der Kurs plangemäß absolviert wurde. Wer allerdings während des Kurses abbricht und die Selbstständigkeit aufgibt, kann zu einer anteiligen Rückzahlung aufgefordert werden. Die Anlaufstelle handhabt das individuell.

Kann ich gleich zwei Kurse auf einen Antrag bringen?

Ja, das ist möglich, solange beide Kurse thematisch zu deiner Selbstständigkeit passen und der Gesamtbetrag innerhalb des Maximums liegt. Ein Antrag mit zwei Modulen von je 2.000 Euro ist genauso möglich wie ein einziger Kurs über 4.000 Euro. Die Anlaufstelle entscheidet über die Sinnhaftigkeit der Kombination.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger (AZAV). Promovierter Naturwissenschaftler, über zehn Jahre Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Er berät Solo-Selbstständige zum Weiterbildungsbedarf und den passenden Förderwegen. Mehr unter Über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

Weitere Quellen: KOMPASS bei der Bundesagentur für Arbeit target=“_blank” rel=“noopener”, Förderdatenbank des Bundes target=“_blank” rel=“noopener”.

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