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Weiterbildung vom Staat bezahlt

Weiterbildung für Väter in Elternzeit: was realistisch geht

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Vater sitzt am Küchentisch mit Laptop, Baby schläft in der Trage vor ihm

Väter in Elternzeit haben die gleichen Rechte auf Weiterbildung wie Mütter, aber andere Startbedingungen. Die meisten Väter nehmen zwei bis sechs Monate Elternzeit, selten zwölf oder länger. Das verkürzt den planbaren Zeitraum und verändert, welche Formate funktionieren. Dieser Artikel zeigt, was in der typischen Väter-Elternzeit realistisch geht und welche Förderung greift.

Er ist für Väter gedacht, die mindestens zwei Monate am Stück in Elternzeit sind und überlegen, diese Zeit für eine berufliche Weiterentwicklung zu nutzen. Für Väter, die nur die Partnermonate nehmen (zwei Monate minus Urlaub) ist das meiste hier nicht passend.

Was typisch ist für Väter in Elternzeit

Die statistische Väter-Elternzeit in Deutschland ist kurz. Laut Statistischem Bundesamt nehmen rund die Hälfte der Väter Elternzeit, die meisten davon genau die zwei Partnermonate. Wer länger geht, ist eine kleine aber wachsende Minderheit.

Das hat Folgen für Weiterbildung. Ein klassischer Kurs über vier oder sechs Monate passt bei den meisten Vätern zeitlich nicht. Eine längere Aufstiegsfortbildung berufsbegleitend passt, weil sie ohnehin nebenbei läuft. Eine Vollzeit-Umschulung passt nur, wenn die Elternzeit ungewöhnlich lang ist oder der Vater direkt nach Elternzeit arbeitslos gemeldet ist.

Drei typische Varianten

In meiner Beratungspraxis sehe ich bei Vätern drei Muster, die tragen.

Variante 1: Berufsbegleitende Aufstiegsfortbildung parallel zur Elternzeit. Der Vater ist in Elternzeit, der Kurs läuft zwei Abende pro Woche plus Selbststudium. Zum Beispiel Wirtschaftsfachwirt oder Betriebswirt. Die Elternzeit stört den Kurs nicht, sie stört nicht mal das Gehalt, weil Aufstiegs-BAföG unabhängig vom Status läuft.

Variante 2: Kurze Zertifikatskurse in kompakten Blöcken. Zwei bis vier Wochen intensiv, oft digital, zu einem konkreten Skill (Projektmanagement, Datenanalyse, Prompt Engineering). Der Vater nimmt sich eine Woche frei von allen Haushaltspflichten, macht den Block, kommt danach in den Alltag zurück.

Variante 3: Längere Elternzeit kombiniert mit Qualifizierungsschritt. Bei Vätern, die sechs oder mehr Monate Elternzeit nehmen, geht auch eine echte Teilzeit-Weiterbildung in Kombination mit Kinderbetreuung durch die Mutter, Großeltern oder Kita.

Welche Förderung für Väter greift

Die Förderlogik ist rechtlich identisch zu der bei Müttern. Die Antragspraxis hat aber Unterschiede.

Der Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) greift, wenn du arbeitssuchend gemeldet bist. Während der Elternzeit ist das möglich, du verlierst dadurch dein Elterngeld nicht. In der Praxis sehe ich, dass Sachbearbeiter bei Vätern in Elternzeit manchmal skeptischer sind als bei Müttern (“Sie haben doch einen Job, zu dem Sie zurückkehren”). Die Rechtsgrundlage ist dieselbe, aber rechne mit mehr Begründungsaufwand.

Das Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) läuft über den Arbeitgeber. Wenn die Firma deine Weiterbildung mitträgt, stellt sie den Antrag beim Arbeitgeberservice. Hier gibt es oft weniger Widerstand als beim Bildungsgutschein, weil der Arbeitgeber die Initiative hat.

Aufstiegs-BAföG (AFBG) ist unabhängig vom Arbeitsverhältnis. 50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent zinsloses Darlehen, bei bestandener Prüfung 50 Prozent Erlass. Wenn du eine Aufstiegsfortbildung wie Wirtschaftsfachwirt machst, ist das oft der passende Weg. Mehr dazu beim Bundesministerium für Bildung und Forschung target=“_blank” rel=“noopener”.

Was bei der Zeitplanung schief geht

Die häufigsten Fehler, die ich bei Vätern in Elternzeit sehe:

Zu ehrgeizig geplant. Der Vater denkt, er hat jetzt sechs Monate zu Hause und kann in der Zeit den Wirtschaftsfachwirt abschließen. Realität: Ein Säugling frisst mehr Zeit als erwartet, ein Kleinkind auch. Plane lieber weniger und schaff es, als mehr und brich ab.

Zu wenig mit dem Partner geredet. Die Elternzeit läuft oft so, dass ein Elternteil den Großteil der Kinderzeit übernimmt. Wenn du während deiner Elternzeit nicht klar machst, dass du Kurs-Termine hast, entsteht Konflikt. Der Artikel zu Familie einbeziehen hat Vorlagen.

Zu spät gestartet. Ein Kurs, der in Monat eins der Elternzeit anfängt, hat bessere Chancen als einer, der in Monat vier anfängt. In Monat vier ist die Routine eingespielt, aber die verbleibende Zeit ist knapp.

Die 32-Stunden-Grenze

Während der Elternzeit darfst du nach § 15 Abs. 4 BEEG maximal 32 Stunden pro Woche im Monatsdurchschnitt arbeiten. Eine geförderte Weiterbildung mit Bildungsgutschein zählt nicht als Arbeit. Eine Weiterbildung, die dein Arbeitgeber bezahlt und die während der Arbeitszeit liegt, kann als Arbeit gelten, je nach Vertragsgestaltung.

Wenn du parallel zur Weiterbildung Teilzeit in deiner alten Firma arbeitest, rechne diese Stunden mit. 20 Stunden Teilzeit plus 15 Stunden Kurs sind zusammen 35 Stunden und damit über der Grenze. Das führt zu einer Kürzung oder einem Wegfall des Elterngelds. Im Zweifel beim Elterngeld-Rechner des Bundes oder bei der Elterngeldstelle rückfragen. Die Rechtsquelle steht bei gesetze-im-internet.de target=“_blank” rel=“noopener”.

Welche Formate für Väter gut funktionieren

Vier Formate passen typischerweise.

Online-Abendkurse zwei bis drei Mal pro Woche. Der Klassiker für berufsbegleitende Aufstiegsfortbildung. Du lernst von zwanzig bis einundzwanzig Uhr, wenn das Baby schläft.

Intensiv-Wochen in Präsenz oder online, ein bis zwei Wochen geblockt. Anstrengend, aber effizient. In diesen Wochen übernimmt der andere Elternteil oder Großeltern den Großteil der Betreuung.

Selbstlern-Module ohne feste Termine. Am flexibelsten, aber am schwierigsten durchzuziehen. Funktioniert, wenn du klare Disziplin hast.

Asynchrone Kurse mit wöchentlichen Live-Meetings. Ein Mittelweg: Die meiste Zeit lernst du wann du willst, ein fester Termin pro Woche hält die Struktur. Für Väter mit kleinen Kindern oft das beste Muster.

Ein realistischer Wochenplan

Ein Vater in sechs Monaten Elternzeit, Kind sechs Monate alt, Partnerin wieder in Vollzeit-Job. Der Vater macht eine Aufstiegsfortbildung berufsbegleitend über zwölf Monate, die also noch sechs Monate nach Elternzeit-Ende weiterläuft.

Morgens ab sieben Übernahme des Kindes, bis die Partnerin aus dem Haus ist. Neun bis zwölf Kindertag: Park, Musikkurs, spielen. Zwölf bis vierzehn Mittagsschlaf des Kindes, in diesen zwei Stunden Selbststudium für den Kurs. Vierzehn bis achtzehn wieder Kindertag. Abends ab zwanzig Uhr, wenn das Kind schläft, ein bis zwei Stunden Kurs oder Nachbereitung. Dienstag- und Donnerstagabend Live-Unterricht von zwanzig bis einundzwanzig Uhr.

Das ist ambitioniert, aber machbar. Wer es tiefer stapelt und nur die Live-Termine wahrnimmt plus eine Stunde Vorbereitung pro Woche, schafft den Stoff in doppelter Zeit. Beides ist möglich.

Die Wirkung auf die Karriere

Was viele Väter unterschätzen: Eine Weiterbildung während der Elternzeit wirkt bei Bewerbungen und Jahresgesprächen stärker als eine nach Rückkehr. Sie zeigt Struktur, Eigenmotivation und die Fähigkeit, mehrere Rollen gleichzeitig zu führen. In meinen Gesprächen mit Personalentscheidern höre ich das immer wieder: Ein Vater, der in sechs Monaten Elternzeit eine IHK-Prüfung bestanden hat, beeindruckt mehr als einer, der “die Zeit genossen hat”.

Das ist keine Wertung der zweiten Gruppe. Elternzeit ist nicht dafür da, dem Lebenslauf zu dienen. Aber wer ohnehin eine Weiterbildung machen wollte, hat in der Elternzeit einen guten Einstiegspunkt, der später schwerer zu finden ist.

FAQ

Verliere ich Elterngeld, wenn ich eine Weiterbildung mache?

Nein, solange die Weiterbildung nicht als Arbeit gilt. Geförderte Weiterbildungen mit Bildungsgutschein oder Aufstiegs-BAföG gelten nicht als Arbeit. Wenn dein Arbeitgeber dir während der Elternzeit eine Weiterbildung finanziert und diese während deiner regulären Arbeitszeit liegt, kläre die Anrechnung mit der Elterngeldstelle.

Kann ich den Kurs in mehreren kurzen Elternzeit-Blöcken machen?

Du kannst Elternzeit in bis zu drei Zeitabschnitte aufteilen. Der Kurs muss nicht in dieser Zeit fertig werden. Viele Kurse laufen über ein bis zwei Jahre und decken mehrere Lebensphasen ab. Der erste Block Elternzeit ist oft ein guter Einstieg, der zweite oder dritte Block eine Prüfungsvorbereitung.

Was passiert mit meinem Job während der Weiterbildung?

Dein Job bleibt. Du hast Kündigungsschutz während der Elternzeit. Wenn der Arbeitgeber die Weiterbildung mitträgt (QCG), habt ihr meistens schriftliche Vereinbarung über Rolle nach Rückkehr. Wenn die Weiterbildung privat läuft, ändert sich nichts am Job, du kommst nach Elternzeit in deine alte Rolle zurück.

Was mache ich, wenn ich während der Elternzeit merke, dass ich den Job wechseln will?

Erst klären was du willst, dann planen. Der Artikel zu Karrierewechsel in der Elternzeit beschreibt die vier typischen Varianten. Keine Kurzschlussentscheidung mitten in der Elternzeit, solche Entscheidungen trägst du ein halbes Jahr später oft anders.

Reicht ein Online-Kurs, oder muss es Präsenz sein?

Für berufsbegleitende Weiterbildungen reicht Online in fast allen Fällen. Die Qualität von Online-Kursen mit Live-Unterricht ist hoch, und du sparst dir die Anfahrt. Bei Präsenz-Anteilen müssen oft nur ein bis zwei Blockwochen pro Jahr absolviert werden, das ist planbar.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Naturwissenschaftler, über zehn Jahre Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Er berät Berufstätige in verschiedenen Lebensphasen und unterrichtet in Weiterbildungen für den digitalen Arbeitsmarkt. Mehr unter Über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

Weitere Quellen: § 82 SGB III Qualifizierungschancengesetz target=“_blank” rel=“noopener”, Infoportal Aufstiegs-BAföG target=“_blank” rel=“noopener”.


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