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Weiterbildung vom Staat bezahlt

Bildungsurlaub nach Bundesland: die Tage im Überblick

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Deutschlandkarte mit markierten Bundesländern und Kursmaterialien

In 14 der 16 Bundesländer hast du als Arbeitnehmer Anspruch auf Bildungsurlaub, meist fünf Arbeitstage pro Jahr. In Bayern gibt es kein Gesetz, in Sachsen folgt ein dreitägiger Anspruch ab 2027. Der Bildungsurlaub ist bezahlte Freistellung, keine Kürzung von Gehalt oder Urlaub.

Dieser Artikel fasst dir den Stand 2026 nach Bundesland zusammen, zeigt wie die Regelungen zusammenspielen und wo typische Fallstricke liegen.

Was Bildungsurlaub rechtlich ist

Bildungsurlaub ist bezahlte Freistellung von der Arbeit für eine anerkannte Bildungsveranstaltung. Die Rechtsgrundlage ist Landesrecht. Jedes Bundesland hat ein eigenes Gesetz (oder keines). Die Grundsätze sind aber meist ähnlich:

  • Fünf Arbeitstage pro Jahr, ansparbar auf zehn Tage über zwei Jahre
  • Mindestbeschäftigungsdauer von meist sechs Monaten im Betrieb
  • Anerkannte Veranstaltung, keine Freizeit-Kurse
  • Rechtzeitiger Antrag, meist sechs bis neun Wochen vor Beginn
  • Arbeitgeber zahlt das Gehalt weiter, die Kurskosten trägst du selbst

Der Bildungsurlaub steht zusätzlich zum gesetzlichen Erholungsurlaub. Dein Arbeitgeber kann den Antrag nur in Ausnahmefällen ablehnen (dringende betriebliche Gründe), und er muss die Ablehnung begründen.

Übersicht der Bundesländer

Die Zahlen sind Stand 2026. Gesetzesänderungen sind selten, aber möglich.

BundeslandTage pro JahrBesonderheiten
Baden-Württemberg5Bildungszeitgesetz
Bayern0Kein Gesetz
Berlin10 (über 2 Jahre)Ansparbar
Brandenburg10 (über 2 Jahre)Ansparbar
Bremen10 (über 2 Jahre)Ansparbar
Hamburg10 (über 2 Jahre)Ansparbar
Hessen5 pro JahrStandard
Mecklenburg-Vorpommern5 pro JahrBildungsfreistellung
Niedersachsen5 pro JahrStandard
Nordrhein-Westfalen5 pro JahrArbeitnehmerweiterbildungsgesetz
Rheinland-Pfalz10 (über 2 Jahre)Ansparbar
Saarland6 (über 2 Jahre)Ansparbar
Sachsen0 (bis 2026), 3 ab 2027Neuregelung kommt
Sachsen-Anhalt5 pro JahrStandard
Schleswig-Holstein5 pro JahrWeiterbildungsgesetz
Thüringen5 pro JahrBildungsfreistellung

Die genaue Handhabung (Antragsfristen, Erwerb nach Beschäftigungsdauer, Härtefallregelungen) steht im jeweiligen Landesgesetz. Einen zentralen Überblick gibt es nicht, jede Landesregierung pflegt eigene Bildungsportale.

Bayern und Sachsen: die Sonderfälle

Bayern hat kein Bildungsurlaubsgesetz und auch keinen gesetzlichen Anspruch. Wenn du in Bayern arbeitest, greifen stattdessen:

  • Tarifverträge (manche sehen Qualifizierungsurlaub vor)
  • Betriebsvereinbarungen
  • Individuelle Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber
  • Sonderurlaub nach Tarifvertrag

Das bedeutet nicht, dass du keine Weiterbildung machen kannst, sondern dass du keinen Rechtsanspruch auf bezahlte Freistellung hast.

Sachsen hat bisher kein Gesetz, führt aber ab 2027 drei Tage pro Jahr ein. Das ist geringer als in anderen Ländern, aber immerhin ein Anfang. Bis dahin gilt wie in Bayern: keine gesetzliche Grundlage.

Welche Kurse anerkannt sind

Nicht jede Weiterbildung ist bildungsurlaubsfähig. Die Anerkennung ist Ländersache. Geeignete Veranstaltungen müssen:

  • Beruflich oder politisch bildend sein (je nach Landesgesetz unterschiedlich definiert)
  • Von einem anerkannten Träger angeboten werden
  • Pro Tag mindestens sechs Zeitstunden Lehre umfassen
  • Bei einem Landesministerium registriert sein

Die Liste der zugelassenen Veranstaltungen findest du auf den Bildungsportalen der jeweiligen Länder. Viele Träger kennzeichnen ihre Kurse explizit als “Bildungsurlaub anerkannt in [Liste der Bundesländer]”.

Der Antrag

Der Bildungsurlaub wird beim Arbeitgeber beantragt. Üblich:

  1. Antrag schriftlich an den direkten Vorgesetzten oder die Personalabteilung, mindestens sechs Wochen vor Beginn. Je nach Bundesland variiert die Frist.
  2. Beifügung der Anerkennung: Bescheinigung des Trägers, dass der Kurs anerkannt ist, meist ein PDF des Landesministeriums.
  3. Arbeitgeber bestätigt oder lehnt ab innerhalb einer gesetzlich geregelten Frist (meist zwei Wochen).

Eine Ablehnung muss begründet sein. Pauschales “wir haben gerade zu viel zu tun” trägt rechtlich nicht. Konkrete betriebliche Gründe (großes Projekt mit unaufschiebbarer Präsenzpflicht, gleichzeitige Abwesenheit von Schlüsselpersonen) können tragen.

Details zum Antragsverfahren im Artikel Bildungsurlaub beantragen.

Was der Bildungsurlaub nicht deckt

Zwei wichtige Einschränkungen:

Er zahlt nicht den Kurs. Der Arbeitgeber zahlt dein Gehalt weiter, nicht die Kursgebühr. Die Kursgebühr trägst du selbst oder über andere Förderungen (QCG, Aufstiegs-BAföG, Werbungskosten).

Er ist kein Erholungsurlaub. Du bist während der Kurstage im Urlaub ersatzweise “auf Bildungsveranstaltung”. Urlaubsanspruch baust du nicht parallel ab, aber du bist auch nicht frei wie im Erholungsurlaub.

Kombination mit anderen Wegen

Der Bildungsurlaub kombiniert sich gut mit anderen Förderungen:

  • Aufstiegs-BAföG plus Bildungsurlaub: Du nutzt den Bildungsurlaub für die Präsenzphasen eines Fachwirt- oder Meister-Lehrgangs. Die Kurskosten trägt das Aufstiegs-BAföG, die Freistellung der Bildungsurlaub. Mehr zum Aufstiegs-BAföG für Berufstätige.
  • QCG plus Bildungsurlaub: Meist überflüssig, weil der QCG-Lohnzuschuss die Freistellung abdeckt. Aber kombinierbar bei Lücken.
  • Wochenendkurs plus Bildungsurlaub für Prüfungswoche: Häufig genutzt, wenn der Kurs am Wochenende läuft und nur die Abschlussprüfung einen Werktag kostet.

Praktische Fragen

Kann ich den Bildungsurlaub im Ausland nutzen?

Ja, wenn der Kurs vom Bildungsministerium deines Bundeslandes anerkannt ist. Manche Sprachkurse und Fachweiterbildungen im europäischen Ausland erfüllen das. Prüf die Liste der anerkannten Veranstaltungen.

Verfällt nicht genutzter Bildungsurlaub?

In den meisten Bundesländern ist Bildungsurlaub ansparbar (zehn Tage über zwei Jahre). Wer drei Jahre nichts macht, verliert aber Anspruch auf die älteren Ansprüche. Die Details regeln die Landesgesetze.

Was wenn ich das Bundesland wechsle?

Dein Anspruch richtet sich nach dem Ort deines Arbeitgebers. Wenn du in Bayern arbeitest und nach NRW wechselst, bekommst du ab dem ersten Tag in NRW den dortigen Anspruch. Rückwirkend gilt er nicht.

Kann mein Chef Bildungsurlaub grundsätzlich ablehnen?

Nein. Ein pauschales “wir genehmigen keine Bildungsurlaube” ist unwirksam. Einzelne Anträge kann er aus konkreten Gründen ablehnen, die er benennen muss.

Aus meiner Beratungspraxis

Viele Teilnehmer kennen den Bildungsurlaub nicht oder nutzen ihn nicht, weil sie glauben, der Arbeitgeber sehe das ungern. In der Praxis ist das meist unproblematisch, wenn der Antrag rechtzeitig kommt und der Kurs sichtbar beruflich relevant ist. Der Arbeitgeber hat gesetzliche Pflichten und erkennt das meist an.

Was ich auch oft höre: “Ich wusste nicht, dass Bayern kein Gesetz hat.” Wer in Bayern arbeitet, muss tatsächlich andere Wege gehen. Für Bayern gibt es aber Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, die ähnliche Ansprüche schaffen. Sprich deinen Betriebsrat oder deine Gewerkschaft darauf an.

FAQ

Kann ich Bildungsurlaub für private Interessen nutzen, etwa einen Yoga-Kurs?

Nein. Der Kurs muss als berufliche oder politische Bildung anerkannt sein. Gesundheitsbildung wird in manchen Ländern anerkannt, wenn sie arbeitsrelevant ist (Stressmanagement, ergonomisches Arbeiten). Ein reiner Yogakurs in der Regel nicht.

Muss ich den Lohn zurückzahlen, wenn ich die Weiterbildung abbreche?

Der während des Bildungsurlaubs weitergezahlte Lohn ist kein Darlehen. Eine Rückzahlung kommt nur in Frage, wenn du den Bildungsurlaub missbräuchlich beantragt hast (zum Beispiel du warst nie im Kurs). Normaler Abbruch ist unproblematisch.

Wie finde ich anerkannte Veranstaltungen?

Die Bildungsministerien der Länder pflegen Listen. Am einfachsten: Beim Träger nachfragen, ob der Kurs in deinem Bundesland anerkannt ist. Die meisten Weiterbildungsanbieter haben das auf ihrer Webseite vermerkt.

Kann mein Chef verlangen, dass ich einen Nachweis der Teilnahme bringe?

Ja. Üblich ist eine Teilnahmebescheinigung vom Träger, die du nach dem Kurs einreichst. Wer nicht teilnimmt, verliert nachträglich den Anspruch und muss den Lohn zurückzahlen.

Gilt der Bildungsurlaub auch für Teilzeitkräfte?

Ja, anteilig. Wer in Teilzeit arbeitet, bekommt den Bildungsurlaub anteilig zur regulären Arbeitszeit. Die Details regelt das jeweilige Landesgesetz.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger (AZAV). Promovierter Naturwissenschaftler, über zehn Jahre Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Er berät Berufstätige zu Förderwegen und unterrichtet in Weiterbildungen für den digitalen Arbeitsmarkt. Mehr unter Über den Autor.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

Weitere Quellen: Bildungsurlaub-Info der IG Metall target=“_blank” rel=“noopener”, Förderdatenbank des Bundes target=“_blank” rel=“noopener”.


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